Zeit – Eine Einladung, im Moment zu leben

Kennst du das Gefühl, dass die Zeit dir wie Sand durch die Finger rinnt? Im Alltag jagen wir oft von einem Termin zum nächsten und versuchen, jede Minute effizient zu nutzen. Doch je mehr wir uns anstrengen, desto mehr scheint uns die Zeit zu entgleiten.

Yoga bietet uns hier keine neuen Techniken für ein besseres Zeitmanagement. Stattdessen lädt es uns auf eine viel tiefere Reise ein: Es ermutigt uns, unsere Beziehung zur Zeit liebevoll zu hinterfragen. In der yogischen Philosophie ist Zeit kein Gegner, den es zu besiegen gilt, und auch kein Besitz, den wir festhalten können. Zeit ist vielmehr ein Geschenk, das sich uns in jedem einzelnen Augenblick offenbart – genau dann, wenn wir aufhören zu hetzen und einfach nur sind.

Wie wir Zeit in der Praxis erfahren

Auf der Yogamatte wird dieses Prinzip lebendig. Wenn unser Atem sanft wie eine Welle kommt und geht und unsere Gedanken zur Ruhe finden, verliert die Zeit ihren Druck. Sie wird nicht langsamer, aber sie dehnt sich aus, wird weiter und freundlicher. Wir hören auf, sie mit To-do-Listen zu füllen, und beginnen, in ihr zu wohnen.

Aus diesem bewussten Verweilen im Moment wächst eine leise Weisheit – kein angelesenes Wissen, sondern ein tiefes, verkörpertes Verstehen. Wir spüren klarer, was uns guttut und was wir loslassen dürfen. Zeit wird dann nicht mehr in Stunden und Minuten gemessen, sondern in der Intensität des gelebten Augenblicks.

 Yoga erinnert uns daran:

“Wir haben nicht zu wenig Zeit. Wir haben immer genau jetzt – und dieser Moment ist alles, was wir brauchen.”

Dort, wo wir uns erlauben, präsent zu sein, entsteht Frieden. Nicht, weil im Aussen alles still ist, sondern weil wir gelernt haben, mit unserer Aufmerksamkeit liebevoll im Jetzt zu bleiben.

Eine kleine Übung für dich: Im Jetzt ankommen

Ich lade dich ein, dir einmal am Tag bewusst drei Minuten zu schenken. Nur für dich.

  1. Finde eine bequeme Haltung: Setze oder stelle dich so hin, wie es sich für dich gerade gut anfühlt. Wenn du magst, schliesse sanft deine Augen.

  2. Verbinde dich mit deinem Atem: Lenke deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem, ohne ihn verändern zu wollen. Spüre einfach nur, wo er sich in deinem Körper zeigt: an der Nasenspitze, im Brustkorb oder im Bauch.

  3. Lass los: Erlaube dir mit jedem Ausatmen, nichts erreichen zu müssen. Kein Ziel, kein Tempo, kein Gedanke an das, was danach kommt.

  4. Sei freundlich zu dir: Wenn Gedanken auftauchen – und das werden sie –, nimm sie wahr wie Wolken am Himmel und kehre dann sanft und ohne Urteil zu deinem Atem zurück. Es ist keine Übung in Disziplin, sondern eine Geste der Freundlichkeit dir selbst gegenüber.

  5. Zum Abschluss frage dich in die Stille hinein: „Wie fühlt sich Zeit an, wenn ich ganz bei mir bin?“ Bleibe noch einen Atemzug lang bei der Antwort, die in dir aufsteigt – ohne sie festhalten zu wollen.

Diese drei Minuten werden nicht die Zeit verändern, aber sie können unsere Beziehung zu ihr heilen. Ich wünsche dir von Herzen viel Freude bei dieser kleinen, aber kraftvollen Übung.

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